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Tim Labenda über sein Brandspace im Hamburger Stilwerk

Juli 5, 2022 | 0

Josephine

Tim Labenda eröffnete am 02.06. im Hamburger Stilwerk das Brandspace, um Design ganzheitlich erlebbar zu machen. Im Interview erzählt der Modedesigner und Interieur Consultant, wie es dazu kam.

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Tim in seinem Brandspace im Hamburger Stilwerk

Schon seit einigen Jahren verfolge ich gespannt jede Story um das Zuhause des Wahlberliners und werde immer wieder von ihm inspiriert, denn er hat ein feines Händchen für Design und macht aus seinen eigenen vier etwas ganz Besonderes. Wie kein anderer inszeniert er Marken mit einem ganz besonderen Twist und hat dabei immer eine eigene Handschrift.

Wie sehr habe ich mich gefreut, als ich gehört habe, dass Tim Labenda im Stilwerk einen Brandspace, der seinem Zuhause nachempfunden ist, kuratieren wird.

Im Rahmen des ReFraming Design Talks sprach Tim Labenda mit stilwerk Pressesprecherin Johanna Kühne über seine Anfänge als Herrenschneider, seine prägende Zeit in Mailand und seine Liebe für handgefertigtes Porzellan.

Wie bist Du dazu gekommen, Modedesign zu studieren?

 

Die Schule war nicht wirklich etwas für mich und ich habe mich damals schon eher dafür interessiert, die Abiballkleider für meine Freundinnen zu nähen. Ich habe mich dann dazu entschieden, erst mal eine Schneiderlehre zu machen, weil meine Eltern unbedingt wollten, dass ich vor dem Modedesignstudium eine handfeste Ausbildung mache. Ich habe dann bei Hugo Boss in Stuttgart gelernt und hatte danach mein Fundament. Für mich war es eine der besten Entscheidungen, dort zu lernen und ich zehre heute noch davon.

Nachdem du 2013 bei der Show Fashion Hero warst, von der Vogue Chefin Christiane Arp entdeckt wurdest und eine Zeit lang dein eigenes Label hattest, bist du zu Missoni gewechselt. Wie war deine Zeit bei Missoni? Wie hast Du Mailand erlebt?

 

Die Zeit in Mailand war definitiv eine der prägendsten Zeiten meines Lebens. Besonders die Zeit bei Christiane Arp hat mich sehr weit gebracht und geprägt. Missoni konnte dann auf diese Erfahrungen sehr gut aufbauen. Dort durfte ich mit dem Designer Alberto Caliri zusammenarbeiten und er ist für mich immer noch eine der Personen, die mich am meisten inspiriert. Er hat meinen Horizont wirklich unfassbar stark erweitert. Insgesamt waren es dort vier fantastische Jahre für mich und auch heute sind wir noch immer sehr eng miteinander und machen kleine Projekte zusammen.

Marmortisch_Teppich_Wohnzimmer_Stilwerk

Tim Labendas unverwechselbarer Stil zeigt sich auch im Brandspace

Wie kam es zu der Entwicklung vom Modedesigner zum Interior Consultant?

 

Für mich ist es ganz organisch gewesen, denn Mode und Interior hängen sehr stark zusammen. In der Mode sowie im Interior spielen Texturen, Farben, Materialien und Formen zusammen. Es gibt wahnsinnig viele Materialien, die von der Mode ins Interior wandern. Ein Beispiel wäre da Mohair. In der Mode existiert es als Stoff schon sehr lange und nun ist es auch ins Interior gekommen, und es gibt Mohair Vorhänge. Für alle Modedesigner ist der Salone del Mobile auch mit eins der wichtigsten Ereignisse, weil man sich dort unfassbar doll inspirieren lassen kann und viele neue Eindrücke bekommt.

 

 

Du hast mal gesagt: „Man muss Räumen zuhören, dann weiß man gleich, wie sie gestaltet werden wollen.“, – wie machst du das?

 

Es ist auf jeden Fall wichtig, ein Gefühl dafür zu haben und sich in einen Raum zu stellen und erst mal zu schauen, was erzählt dieser Raum eigentlich. Beispielsweise in einem Neubau sollte man sich die Frage stellen, was ist der Gedanke des Architekten gewesen und welche Materialien hat er weshalb verwendet. Es gibt immer etwas in einer Wohnung, was dir die Geschichte vorgibt. Man sollte auch den Möbeln zu hören, schauen wo mir was begegnet und Dinge zu sich kommen lassen. Das macht für mich das wohnliche Wohnen und zuhause zu sein aus.

Welcher Interior-Stil spiegelt dich wider und macht deinen Charakter aus

 

Auf jeden Fall der italienische Stil, weil ich dort vier Jahre lang gelebt habe. Ich bin aber auch irgendwo sehr deutsch. Mein Geschmack hat immer sehr praktische Momente, die ich dann als sehr deutsch empfinde. Ich würde meinen Stil als eklektisch beschreiben und als einen wilden Mix. Mit unserem neuen Apartment, dem Gartenapartement, wollen wir den Leuten zeigen, dass sie sich gerne etwas trauen dürfen. Farbe ist toll, verschiedene Materialien sowie Strukturen sind toll und man kann diese Dinge auch zusammenbringen.

Tim Labenda auf Sofa

Auf ein Gespräch mit dem kreativen Talent

Gibt es einen Designer, den Du besonders schätzt?

 

Ja, ich liebe Luke Edwar Hall. Ich besitze viele Gemälde von ihm zuhause und bewundere ihn sehr. Meiner Meinung nach wird alles zu Gold, was er anfasst. (Lacht)

 

 

 

 Welche Rolle spielen Pflanzen und Licht für dich?

 

Licht ist für mich das Allerwichtigste und Licht bringt immer Wärme und Wohnlichkeit in die Wohnung. Ich würde zum Beispiel nie in eine Nordwohnung ziehen aufgrund des Lichts. Auch gerade die Beleuchtung ist essenziell, damit Gemütlichkeit einkehrt. Pflanzen sind auch sehr wichtig für mich, gerade unsere letzte Wohnung vor der jetzigen war voll von Pflanzen. Pflanzen beleben einfach gleich den Raum und deshalb würde ich auch jedem Pflanzen empfehlen. Gerade große, unkomplizierte Pflanzen, die wenig Pflege brauchen, eignen sich sehr gut.

Esszimmer Tim Labenda mit Pflanzen

Tim Labendas Zuhause lebt das Dolce Vita

Hast du hier im Stilwerk Brandspace x Tim Labenda ein Lieblingsmöbelstück oder einen Lieblingsraum?

 

Ja, der rote Tisch im Eingang. Wir haben zu Hause auch einen roten Esstisch, welcher sich zum Keyelement entwickelt hat und worum sich alles aufbaut. Außerdem finde ich es toll, dass wir viele organische Formen aufgreifen konnten. Ich bin mit dem Gesamtergebnis sehr zufrieden und habe keinen Lieblingsraum. Allerdings würde ich mir, wie es auch hier existiert, ein richtiges Arbeitszimmer für zu Hause wünschen.

 

 

Du liebst Porzellan, sowie das Handwerk allgemein – gibt es da noch Stücke?

 

Bei KPM durfte ich schon mal die Fabrik besuchen und freue mich sehr deshalb, dass sie das ganze Essservice hergestellt haben. Außerdem haben wir Project 213a mit an Board, ein ganz kleines Keramiklabel mit sehr besonderer Keramik, die für uns eine Obstschale und eine Vase gemacht haben. Gerade die kleinen Labels sollte man unterstützen, anstatt immer in die großen Konzerne wie H&M Home zu investieren. Dann können die kleinen Labels auch weitermachen und weiterhin existieren.

 

 

Wodurch inspirierst du deine Follower? Gibt es einen Auftrag, den du ihnen mitgeben willst?

 

Da mir eine große Menge an Menschen folgt, finde ich es sehr wichtig, den Leuten die Nachhaltigkeit ans Herz zu legen bzw. das nachhaltige Denken. Auch Gebrauchtes kann man aufwerten und weiterverwenden. Es muss nicht immer neu sein. Außerdem ist mir auch die Authentizität und Ehrlichkeit sehr wichtig. Das heißt, hinter allen Kooperationen, die ich mache, stehe ich auch und finde die Produkte gut. Sonst würde ich sie zum Beispiel auf Instagram gar nicht zeigen.

Tim Labenda Schlafzimmer mit Schwanentapete

Farben, Materialien und Liebe zum Detail sind überall zu erkennen

Die Möbelbranche – Was hat sich getan und wo geht es hin?

 

Corona war natürlich ein großer Einflussfaktor und tat einigen gut und anderen eher weniger gut. Beispielsweise wartet man bei Ligne Roset ca. 62 Wochen auf ein Togo Sofa, was natürlich zeigt, der Brand hat es sehr gutgetan. Die Leute waren viel mehr zu Hause und haben sich mit ihren eigenen vier Wänden auseinandergesetzt und diese verändert. Die Corona Zeit war gut dafür, um herauszufinden, wie es mir eigentlich in meinem Zuhause geht. Fühle ich mich wohl? Was die Möbelbranche daraus letztlich machen wird, werden wir wohl alle erst erfahren, wenn wir auf der Maison Del Mobile waren.

„Ich habe nichts von dem, was ich gemacht habe jemals geplant oder bereut.“ – ein Zitat von dir. Was ist dein Geheimrezept?

 

Ich glaube, wenn man einfach das macht, was man mag, auf sein Herz hört und ein gutes Bewusstsein für sich selber hat, dann kommen die Dinge auf dich zu, so wie sie sein sollen. Das nimmt einem dann auch ein bisschen den Druck, den man sowieso schon in den Projekten an sich hat. Dann kann man sich auch besser auf eine Sache fokussieren und diese erfüllen.

 

Das Interview hat Johanna Kühne (PR Stilwerk) mit Tim Labenda geführt.

Jedem, der sich für Interior Design begeistern kann, empfehle ich, einmal das Brandspace von Tim Labenda im Hamburger Stilwerk zu besuchen und am besten direkt auch den Instagram Account von Tim zu abonnieren!



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