Lifestyle

Francis Kurkdjian – der Parfümeur über neue Geschlechterrollen

February 23, 2019 | 0

Josephine

Der Duftdesigner Francis Kurkdjian feiert sein 25-jähriges Jubiläum mit zwei neuen, geschlechtsneutralen Düften: “Gentle Fluidity” – eine neue Art von Duftduo, das aus denselben Inhaltsstoffen besteht und dabei zwei verschiedene olfaktorische Persönlichkeiten schafft. Wie Gentle Fluidity gesellschaftlich neue Maßstäbe setzt, könnt Ihr im Beitrag lesen.

Eine Duftreise nach Paris machen? Ganz sicher auf meiner Bucket List ganz oben! Ich bin schon seit Langem vernarrt in den Duft Baccarat Rouge 540 von Maison Francis Kurkdjian. Eine einzigartige, elegante und intensive Kreation mit einer Ambernote, die sich so schnell mit nichts anderem vergleichen lässt. Und das ist es ja, was die meisten wollen: Ein Parfum, was so besonders, individuell und hochwertig riecht, sodass man es kaum mit Worten beschreiben kann.

Ihr könnt sicher nachvollziehen, wie aufgeregt ich war, als ich hörte, dass ich nach Paris zu Francis Kurkdjian reisen und ihn persönlich in seinem Atelier treffen darf. Im November war es dann soweit, Francis präsentierte dort mir und einer kleinen, ausgewählten Runde von Journalisten und anderen Bloggern seine zwei neuesten Düfte. Wow! Klar, dass ich dem Parfümeur eine Menge Fragen stellen wollte.

 

Fine im Atelier von Maison Francis Kurkdjian

Wer ist Francis Kurkdjian?

Francis Kurkdjian ist ein französischer Parfümeur mit armenischer Herkunft, der unter anderem für das Parfum Le Male von Jean Paul Gaultier (das mit dem Männerkörper) verantwortlich ist. Seit 1995 kreierte er über 40 Düfte für weltweit bekannte Marken wie Dior, Yves Saint Laurent, Escada, Dior oder Versace.

Viel spannender finde ich aber, dass der studierte Balletttänzer 2009 zusammen mit Marc Chaya (CEO) das Parfumhaus Maison Francis Kurkdjian gründete, wo er unter seinem eigenen Namen Düfte kreiert oder auch mal ein maßgeschneidertes Parfum. 2001 gewann er den „Prix François Coty“, den bedeutensten Parfumpreis für sein Lebenswerk. Und das mit nur 32 Jahren.

Was steckt hinter der Geschichte Ihres neuen Parfums?

Francis Kurkdjian: Marken sprechen über Maskulinität oder Femininität in traditioneller Art und Weise – wirklich old fashioned, da kann ich keine Moderne drin erkennen. Parfums spielen immer damit, wie sich Frauen verhalten, wie sich Männer verhalten… Frauen rennen angeblich immer von einem Geliebten weg, hin zum nächsten und sind dabei nur von der Liebe getrieben. Männer hingegen sind immer sportlich, sie surfen, sie schwimmen, sie fahren Ski oder schicke Autos und sind stets auf der Suche nach einer neuen Freundin. Das sind Klischees, nicht die Realität. Deshalb stellte sich für mich irgendwann die Frage, ob diese Geschlechterrolle der Frau, die Frauen ihn ihrer Rolle dort einnehmen auch ihre Rolle in der Gesellschaft ist. Sicherlich nicht. Sie kämpfen für ihre Rechte. Gleichheit. In der Parfumindustrie kann ich diese Bewegung leider gar nicht feststellen. Die neue Rolle der Frau wird noch nicht in Parfums widergespiegelt. Darüber macht sich irgendwie kaum jemand Gedanken.

 

Das Atelier von Maison Francis Kurkdjian

Was sind Ihre Gedanken zu Gender Fluidity?

Francis Kurkdjian: Was nicht feminin ist, ist maskulin und was maskulin ist, kann nicht feminin sein. Maskulinität und Femininität schließen sich selbst durch ihre Gegensätzlichkeit aus. So die allgemeine Sicht. Aber niemand würde es infrage stellen, wenn eine Frau ein maskulines Parfum trägt. Aber haben sie jemals von einem Mann gehört, der einen Damenduft trägt? Mit Sicherheit nicht. Deshalb stellte sich mir die Frage, warum wir immer noch in diesen starren Kästen denken. Die neue Generation von Milliennials hinterfragt dies doch auch nicht mehr bei der Kleidung. Sie sehen Frauen und Männer nicht mehr in ihrer traditionellen Rolle. Erste Trends lassen sich in der Fashion-Industrie sehen. Mittlerweile gibt es immer mehr unisex Kollektionen.

Wann wurde Gender Fluidity zu Gentle Fluidity?

Francis Kurkdjian: Mir gefällt die Fashion-Industrie sehr gut, weil sie visuell orientiert und nicht weit von meinem Geschäft entfernt ist. Nehmen wir beispielsweise ein weißes T-Shirt. Ein echtes Basic, aber es gibt für Frauen als auch für Männer unterschiedliche Schnitte, die sie für das jeweilige Geschlecht klassifizieren, obwohl es aus exakt demselben Material ist. Und wer sagt, welcher Schnitt feminin und welcher maskulin ist? Hat man ein Stück Seide, so kann man daraus eine Fliege oder ein Kleid schneidern. Es ist aus einem Stück gefertigt und doch so unterschiedlich in seiner Wirkung besetzt.

 

Der Parfumeur Francis Kurkdjian spricht in seinem Pariser Atelier über Gender Fluidity

Welche Idee steckt hinter Ihren neuen Düften?

Francis Kurkdjian: Ich habe diesen Gedanken mit dem weißen Shirt aufgegriffen und damit gespielt. Patschuli beispielsweise ist ein einziger Duft, aber er kann superfeminin und supermaskulin gleichzeitig sein. Was ist, wenn ich zwei Geschichten aus ein und demselben Material entwickle. Kann ich damit für mich als Individuum sowohl meine feminine als auch meine maskuline Seite hervorrufen, ganz egal, als was ich vielleicht von anderen bezeichnet werde. Das bedeutet für mich gender fluidity – ich kann sein wer und was ich will, wann ich will und mich jeden Tag aufs Neue entscheiden.

 

Die beiden Düfte Gentle Fluidity von Maison Francis Kurkdjian

Welche Inhaltsstoffe haben Sie für “Gentle Fluidity” verwendet?

Das silberne Eau de Parfum “Gentle fluidity” lebt von frischen und lebendigen Aromen, die sich durch Wacholderbeeressenz, Muskatnussessenz und Amberholz auszeichnen. In geringerem Maße kommen dazu Noten von Koriandersamen, Moschus und Vanille. Das goldene “gentle Fluidity” ist ein warmer und umhüllender Duft. Hier werden die Koriandersamenessenz, Moschus und einen Vanilleakkord stark betont. Die Unterschiede zwischen den olfaktorischen Persönlichkeiten der Parfums hängen von unterschiedlichen Dosierungen und spezifischen Wirkungen ab. Zwei Duftwelten, die aus den gleichen Inhaltsstoffen kreiert, worden sind!

 

Fine mit Francis Kurkdjian in Paris

 

Ich fand es wahnsinnig spannend, die Geschichte hinter diesen Düften zu hören. Oft bekommt man ja nur das fertige Produkt zu sehen oder zu riechen und dann hängt es einzig und allein vom Geschmack ab, ob es einem gefällt oder nicht. So aber hatte ich die Möglichkeit zu erfahren, was der ursprüngliche Gedanke dahinter war. Francis hat uns in seinem Atelier auf eine Duftreise mitgenommen und uns an jeder einzelnen Essenz riechen lassen. So hatten wir schon, bevor wir das fertige Parfum in der Hand hielten, eine Ahnung davon hatten, was uns erwarten würde. Wenn man mich nun fragt, welches ich lieber mag, so könnte ich das nicht beantworten. Denn eigentlich funktionieren für mich die Düfte nur zusammen. Je nachdem, wie ich mich gerade fühle, was meine Gender Fluidity gerade sagt, möchte ich mich immer wieder neu für silber oder gold entscheiden können.

,



Wie hat Dir unser Beitrag gefallen?

(5 Bewertungen, Durchschnitt: 5.00 von 5)
Poste einen Kommentar

Ich stimme zu*