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ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil – Free the Fashion

Juli 21, 2017 | 0

Josephine

Wenn wir auf die Berliner Fashion Week zurückblicken, wurden uns nicht nur die schönsten Design-Perlen für Frühjahr/Sommer 2018 kredenzt, sondern auch die vom ZEITmagazin und der Vogue Deutschland ausgerichtete Konferenz Mode & Stil, die fraglos zu einer festen Größe in unserem Terminkalender während der Modewoche geworden ist.

 

Zum Thema “Free the Fashion” wurde in altbewährter Manier ins Kronprinzenpalais geladen und eine exquisite Rednerliste geboten, die namhafte Akteure aus der Modebranche bot, wie etwa Designerin Stella McCartney, Angela Missoni, Jason Wu oder Marcel Ostertag. Dabei ging es diesmal um Fragen, die den aktuellen Zeitgeist umtreiben, nämlich inwieweit Mode und Politik sich gegenseitig beeinflussen und ob sich eine wechselseitige Wirkung zwischen modischen Trends und gesellschaftlichen Strömungen wiederfinden lässt.

 

zeitmagazin konferenz saal im kronprinzenpalais publikum und bühne

Bildquelle: Phil Dera für DIE ZEIT

 

Politik und Mode – Passt das zusammen?

Wenn wir uns also in Zeiten von Trumpscher Diskreditierung gegenüber Frauen zuweilen fragen, wie authentisch ein modischer Protest dem entgegenwirken kann, liefert uns nicht nur Angela Missoni mit ihren pinkfarbenen katzenohrigen Pussyhats, die auch beim Women’s March in Washington getragen wurden, eine Antwort. Dior, Versace und Chanel greifen in ihren Kollektionen ebenfalls Themen wie Diversität, Feminismus und nachhaltige transparente Produktion auf und verarbeiten so Fragen und Problematiken, die derzeit viel diskutiert werden.

 

Wälzen wir das Geschichtsbuch, lässt sich schnell feststellen, dass wir anhand vieler Ereignisse sehen können, wie sich Gesellschaftsphänomene und Modetrends gegenseitig inspirieren. Denn wie auch Mode-Soziologin Christiane Funken im “One-on-One”-Gespräch mit Christiane Arp anspricht, kann Mode politische Botschaften senden, durch den Bruch von konventionellen Regeln. Ein Beispiel dafür ist Coco Chanel. 1918 revolutionierte sie mit ihrer Mode das damalige Frauenbild, indem sie in ihren Entwürfen auf Bequemlichkeit setzte. Ihre Kleider kommen ohne einengende Korsagen aus. Rocksäume werden deutlich kürzer und 1929 machte sie die Hose auch für Frauen salonfähig. Man zeigte damals seine emanzipierte Haltung durch das Tragen von bestimmter Kleidung. Denn diese hat nicht nur einen reinen Nutzenfaktor, sondern sendet immer Botschaften. Bei allem was und wie wir es tragen.

 

zeitmagazin konferenz unter dem titel free the fashion auf der bühne im gespräch funken und arpBildquelle: Phil Dera für DIE ZEIT

 

Haute-Couture-Designer Rabih Kayrouz, der ebenfalls inspirierende Worte im Gespräch mit ZEITmagazin Autorin Claire Beermann sprach, machte nochmals deutlich, wie auch seine Designs von aktuellen politischen Geschehnissen beeinflusst werden. Aus dem Libanon stammend erlernte er in Paris sein Handwerk, um nach dem Studium wieder in seine Heimat zurückzukehren. Er erlebte sein Land in Zeiten von Krieg und Gewalt, aber auch nach deren Ende. Die herrschenden Stimmungen und Ereignisse gingen dabei nicht spurlos an seinen Entwürfen vorbei.

 

Politische Botschaften finden sich derzeit sowohl in Kollektionen von großen Designern, als auch bei Fast-Fashion Labels wieder. Bekannte Namen, wie Versace und Dior, zeigen während der vergangenen Modewochen Shirts mit beispielsweise feministischen Statements. Letztere unter der kreativen Leitung von Maria Grazia Chiuri, die bei der Dior-Show ein schlichtes weißes T-Shirt mit der Aufschrift: „We should all be feminists“ zeigt. Der Aufdruck ist inspiriert von der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichies, die ein Essay mit dem selben Titel veröffentlichte.

 

Natürlich ist es an dieser Stelle auch zweifelhaft, wie authentisch es ist, ein Shirt für 500 Euro zu tragen, um damit ein politisches Statement zu setzen, wo man das Geld auch auf glaubwürdigere Art und Weise und auf direkterem Wege einbringen könnte. Doch abgesehen von vereinzelten Designerteilen haben auch die Fast-Fashion-Labels, wie H&M und Zara den Hype erkannt. 2017 lässt sich mit Feminismus und politischen Botschaften Profit machen. Am Ende bleibt jedoch auch hier die Frage, inwieweit das reine Konsumieren und passive Tragen politischer Botschaften auch tatsächlich mit dem Verständnis dieser einhergeht und inwieweit die tatsächlich ernsten Anliegen dadurch weichgespült werden, um sie eben auch für den Mainstream attraktiv zu machen.

 

zeitmagazin konferenz auf der bühne im gespräch amend und stella mccartney
zeitmagazin konferenz gespräch mit marcel ostertag und Jeanne de KroonBildquellen: Phil Dera für DIE ZEIT

 

Designerin Stella McCartney erzählt im Gespräch mit ZEITmagazin-Chefredakteuer Christoph Amend, dass sie als Kind mit ihren Eltern auf einem Bauernhof gelebt hat und mitunter deshalb so viel Wert darauf legt, in ihren Kollektionen keine tierischen Produkte zu verwenden sowie grundsätzlich nur nachhaltige Materialien zu verarbeiten. Auch die beiden Designer Marcel Ostertag und Jeanne de Kroon von Zazi Vintage verstehen es als Unternehmensphilosophie, ihre Produktionskette transparent zu gestalten und nachhaltig zu produzieren. Ostertag lässt seine Designs ausschließlich in Deutschland und de Kroon in Zusammenarbeit mit einer Nichtregierungsorganisation in Indien herstellen.

 

Im Großen und Ganzen liefert die diesjährige Konferenz auch über die Modewoche hinaus reichlich Stoff zum Nachdenken. Grundsätzlich sollten wir uns bewusst sein, welches marketingtechnische Potenzial der Feminismus und politische Botschaften an sich aktuell bieten und das viele Unternehmen dies, ohne Rücksicht auf Produktionsbedingungen, gerade nutzen. Gleichzeitig sollte zwischen diesen und den Botschaften an sich unterschieden werden. Denn während sich Produktionsbedingungen kritisieren lassen, gilt dies nicht für die Statements selbst. Diese können, wenn sie aktuell auf Shirts, Broschen und Taschen getragen werden, eine Chance für politisch relevante Themen sein. Nämlichen diesen, durch den modischen Hype, wieder zu neuer notwendiger Aktualität zu verhelfen.

 

Prinzipiell ist es nur positiv zu betrachten, dass das Thema heute so großen Zuspruch findet und für die breite Masse zugänglich gemacht wird. Wie ernst die Auseinandersetzungen im Einzelnen mit den tatsächlichen politischen Zielen aussehen sei einmal dahingestellt. Das Tragen von politischen Accessoires kann jedoch in jedem Falle als erster Ansatz gesehen werden, um näher an das Thema heranzuführen und um sich künftig womöglich aktiver und intensiver mit diesen Themen zu befassen. Wenn wir also tagtäglich unsere Kleidung auf gewisse Weise für uns sprechen lassen, wieso dann nicht auf eine politische Art?!



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